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R-02 Copilot & Agents

Copilot Tuning pausiert: Was jetzt gilt und warum Warten der Plan ist

21.10.20267 MinutenMittel · KonzeptTeilen
Ferdi Lethen-Oellers neben dem Schriftzug „Copilot Tuning pausiert – Skills statt Templates“

Copilot Tuning über Agent-Builder-Vorlagen ist pausiert. Microsoft baut die komplette Tuning-Architektur um und zieht sie nach Copilot Studio. Wer gerade ein Tuning-Projekt plant, sollte jetzt genau hinschauen, bevor er Kunden oder der Geschäftsführung Termine verspricht.

Das ist einer dieser Momente, in denen „Moment, ich schau nochmal ins Message Center” der ehrlichste Satz ist, den ein Consultant sagen kann. Also: Was steht wirklich in MC1454393, und was ist nur Hoffnung?

Was heißt eigentlich „Tuning”?

Tuning heißt wörtlich Feinabstimmung, und genau darum geht es. Ein normaler Copilot-Agent ist wie ein guter Barista mit Rezeptkarte: Er schlägt bei jeder Frage in euren Wissensquellen nach und baut daraus eine Antwort. Copilot Tuning geht einen Schritt weiter. Der Barista lernt eure Hausmischung so gut, dass er sie nicht mehr nachschlagen muss.

Microsoft formuliert es so: Copilot Tuning hilft Agenten, die eigene Terminologie, Arbeitsabläufe und Geschäftsprozesse einer Organisation zu verstehen und einzuhalten. Microsoft staffelt das in Stufen und empfiehlt ausdrücklich, von unten zu starten — nicht jeder Agent braucht alle:

  • Stufe 0 – Ohne Tuning starten: Erst mit einer tunebaren Vorlage ohne Tuning arbeiten. Reicht das Ergebnis, bist du fertig.
  • Stufe 1 – Kontext tunen: Der Agent lernt, welche Informationen für seine Aufgabe zählen.
  • Stufe 2 – Tools tunen: Der Agent lernt, seine Werkzeuge besser einzusetzen.
  • Stufe 3 – Modell tunen: Das Sprachmodell selbst wird mit euren Daten nachtrainiert, das klassische Fine-Tuning. Diese Stufe kommt ganz am Ende.

Und noch ein Mythos, der gern kursiert: Tuning ist nicht „Daten rein, fertig”. Du definierst Ziele, Daten und Bewertungskriterien, und Copilot Tuning liefert dir auf dieser Basis Bewertungsergebnisse. Das ist ein iterativer Prozess, oft braucht es mehrere Durchläufe. Und selbst danach gilt: Die Ergebnisse bleiben Entwürfe, die ein Mensch auf Richtigkeit prüft.

Was genau pausiert wurde

Bisher lief Copilot Tuning über tunebare Vorlagen in Agent Builder. Seit dem 20. August 2026 ist die Tune-Option für fünf Vorlagen nicht mehr verfügbar:

  • Document Writing
  • Document Summary
  • Style Editor
  • Document Validation
  • Expert Question Answer

Die Optimization-Vorlage wird ganz eingestellt. Und ein Detail, das wehtut, falls es dich betrifft: Alle Tuning-Läufe, die bis zum 20. August nicht abgeschlossen waren, hat Microsoft verworfen.

Microsoft spricht dabei bewusst von einer Pause, nicht von einem Aus. Das Tuning kommt zurück, nur an anderer Stelle und in anderer Form.

Was weiterläuft

Das Wichtigste zuerst, weil ich weiß, dass hier gerade der Puls einiger Admins steigt: Bestehende Agenten aus diesen Vorlagen funktionieren weiter. Agenten mit feinabgestimmten Modellen laufen mit genau diesen Modellen weiter. Niemand reißt dir produktive Workloads unter dem Hintern weg.

Was Status seit dem 20. August 2026
Bestehende Agenten aus den Vorlagen Laufen weiter
Agenten mit feinabgestimmten Modellen Laufen mit diesen Modellen weiter
Neue Agenten aus den Vorlagen Möglich, aber ohne Tuning
Neues Tuning über die Tune-Option Pausiert
Nicht abgeschlossene Tuning-Läufe Verworfen
Optimization-Vorlage Wird eingestellt

Auch neue Agenten aus den Vorlagen kannst du weiter anlegen. Sie bekommen nur kein Tuning und laufen als ganz normale deklarative Agenten, bis das neue Tuning-Erlebnis da ist. Um bestehende Agenten am Laufen zu halten, musst du nichts tun.

Die Hürde, über die kaum jemand spricht

Bevor wir über die neue Architektur reden, ein ehrlicher Blick auf die Zielgruppe.

5.000 LIZENZEN

Copilot Tuning war während der Public Preview nur für Tenants mit mindestens 5.000 Microsoft-Copilot-Lizenzen freigeschaltet. Erfüllt ein Tenant die Schwelle nicht, tauchen die Einstellungen gar nicht erst auf.

Für die meisten Mittelständler im DACH-Raum heißt das: Copilot Tuning war bisher schlicht außer Reichweite. Ob die neue Preview in Copilot Studio dieselbe Schwelle mitbringt, hat Microsoft noch nicht kommuniziert. Genau das ist für viele die eigentlich spannende Frage.

Die neue Architektur: skill-basiert in Copilot Studio

Das neue Tuning läuft nicht mehr über Vorlagen in Agent Builder, sondern in Copilot Studio. Microsoft beschreibt es als skill-basierte Architektur mit erweiterten Tuning-Funktionen für Geschäftsszenarien. Mehr Details gibt es offiziell bisher nicht.

Meine Erwartung, und ich kennzeichne sie bewusst als Erwartung: Skills dürften granularer sein als Vorlagen. Statt einen Agenten pauschal auf einen Kontext zu trimmen, könntest du einzelne Fähigkeiten gezielter anpassen. Für alle, die schon mal versucht haben, einem getunten Agenten nachträglich eine einzige Sache umzugewöhnen, wäre das ein echter Fortschritt. Ob es so kommt, zeigt erst die Preview.

Der Zeitplan laut Microsoft: Public Preview ab September 2026, allgemeine Verfügbarkeit ab Dezember 2026. Zwischen jetzt und dann liegt also eine Preview, die genau das ist, was der Name sagt. Öffentlich testbar, aber nicht produktionsreif in dem Sinne, in dem ein Mittelständler das versteht, wenn er „produktionsreif” hört.

INFO

Planungsdaten im Message Center verschieben sich gern mal. Schau regelmäßig in MC1454393, ob sich etwas geändert hat.

Was das für dein Projekt bedeutet

Wenn du gerade ein Tuning-Projekt planst, gilt eine einfache Regel: Bau nicht auf Preview-Sand, wenn du auf GA-Fundament stehen willst. Konkret heißt das:

  • Anforderungen jetzt definieren: Welche Aufgaben soll der Agent besser können als ein normaler deklarativer Agent?
  • Inhalte vorbereiten: Welche SharePoint-Inhalte sind sauber, aktuell und für das Tuning geeignet?
  • Go-Live realistisch planen: frühestens nach der allgemeinen Verfügbarkeit ab Dezember, eher später.
  • Lizenzfrage früh klären: sobald Microsoft die Voraussetzungen für die neue Preview nennt.

Für bestehende getunte Agenten heißt es: beobachten, nicht anfassen. Im Agent-365-Portal siehst du alle getunten Agenten deines Tenants an einer Stelle. Eine automatische Migration gibt es nicht. Wenn du später auf das neue Tuning willst, baust du den Agenten neu. Ob du dabei bereits trainierte Modelle wiederverwenden kannst, will Microsoft noch erklären.

ACHTUNG, DATENSCHUTZ

Beim Tuning erstellt das System eine Kopie der ausgewählten SharePoint-Inhalte. DLP- und Aufbewahrungsrichtlinien, die auf den Originalinhalten liegen, gelten für diese Kopie nicht automatisch. Behalte das im Hinterkopf, wenn du für das neue Tuning Inhalte auswählst.

FAZIT · FERDI-STYLE

Manchmal ist die beste Architektur-Entscheidung, keine zu treffen und stattdessen abzuwarten. Das klingt für einen Consultant, der von proaktivem Handeln lebt, fast wie Berufsverrat. Aber genau das ist hier die ehrliche Empfehlung. Copilot Tuning soll besser werden, aber verlässlich wird es frühestens mit der allgemeinen Verfügbarkeit. Bis dahin ist Geduld kein Zeichen von Passivität.

ESPRESSO-MOMENT

Et kütt, wie et kütt, aber diesmal mit Vorbereitung.

DAS NIMMST DU MIT
  • Copilot Tuning heißt Feinabstimmung: Agenten lernen eure Begriffe und Abläufe, in Stufen von Kontext über Tools bis zum Modell.
  • Seit dem 20. August 2026 ist die Tune-Option für fünf Agent-Builder-Vorlagen pausiert, die Optimization-Vorlage wird eingestellt.
  • Bestehende Agenten und feinabgestimmte Modelle laufen weiter, du musst nichts tun.
  • Neue Agenten aus den Vorlagen gehen weiter, aber ohne Tuning.
  • Das neue, skill-basierte Tuning kommt in Copilot Studio: Preview ab September, allgemeine Verfügbarkeit ab Dezember 2026 laut Plan.
  • Bisher brauchte Copilot Tuning mindestens 5.000 Copilot-Lizenzen. Ob das für die neue Preview gilt, ist offen.
  • Keine automatische Migration: Wer umsteigen will, baut neu.
  • Definiere Anforderungen und Inhalte jetzt, aber versprich keinen Produktivstart vor der allgemeinen Verfügbarkeit.

Wenn du selbst gerade ein Tuning-Projekt in der Warteschleife hast oder schon erste Erfahrungen mit der Preview gesammelt hast, schreib mir auf LinkedIn. Mich interessiert, wie andere Häuser diese Übergangsphase gegenüber Kunden kommunizieren.

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Ferdi Lethen-Oellers
Ferdi Lethen-Oellers

Senior Modern Workplace Consultant bei der amexus, Microsoft MVP, Autor von „Microsoft 365 Administration für Dummies“.