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R-03 Foundry & Azure

Document Intelligence in Foundry: Wohin ist der Dienst verschwunden?

23.3.20267 MinutenMittel · KonzeptTeilen

Warum ich darüber schreibe

Ich bin ein Gewohnheitstier. Nicht, weil ich mich gegen Veränderung sträube – sondern weil ich weiß, wo alles liegt. Mein Werkzeugkasten, meine Navigation, meine Shortcuts. Und dann stellt Microsoft das Wohnzimmer um.

Die neue Microsoft-Foundry-Oberfläche? Ehrlich: Sie sieht gut aus. Wirklich. Klareres Layout, bessere Struktur, moderner Eindruck. Beim ersten Öffnen dachte ich: „Okay, das ergibt Sinn.”

Und dann suchte ich Document Intelligence.

Linke Navigation – weg. Im Projektkontext – weg. Kurz fragte ich mich, ob ich das falsche Portal geöffnet hatte. Hatte ich nicht. Der Dienst ist nicht verschwunden – er ist nur … nicht mehr da, wo er war. Und genau dieser Unterschied macht aus einem Dienstagmorgen eine Schnitzeljagd.

Die gute Nachricht: Es gibt drei Auswege. Ich zeig sie dir.

Was ist Document Intelligence überhaupt?

Kurz zur Einordnung für alle, die neu dabei sind:

Azure AI Document Intelligence (früher: Form Recognizer) ist der Azure-Dienst, der strukturierte Daten aus Dokumenten extrahiert – PDFs, Formulare, Rechnungen, Ausweise, Verträge. KI-gestützt, per API erreichbar, mit vorgefertigten und eigenen Modellen.

Und das Beste für den Einstieg: 500 Seiten pro Monat kostenlos – im Free Tier (F0). Keine Kreditkarten-Angst für erste Tests und Proof-of-Concepts. Das ist kein Marketing-Sprech, das stimmt wirklich – solange du beim Anlegen des Dienstes die richtige Preisstufe wählst.

Zurück zum eigentlichen Problem.

Das Wesentliche: drei Wege zu Document Intelligence in der neuen Foundry-UI

Zum Verständnis: In der alten Foundry-UI (Azure AI Studio, klassischer Look) waren KI-Dienste wie Document Intelligence direkt in der linken Navigation verlinkt. Du warst in deinem Projekt, hast den Dienst gesehen, hast geklickt.

Das neue Foundry-Design stellt den Projekt-Workflow in den Vordergrund – Modelle, Deployments, Evaluierungen. Die klassischen „AI Services” als eigener Navigationspunkt sind in den Hintergrund gerückt. Nicht gelöscht. Nicht abgekündigt. Nur … verlegt. Ohne Nachsendeadresse.

Weg 1: Die alte UI wieder aktivieren – schnell und pragmatisch

Microsoft lässt dich (vorerst) zwischen der alten und der neuen Foundry-Oberfläche wechseln.

So geht’s:

  1. ai.azure.com öffnen
  2. Oben rechts oder in den Einstellungen nach einem Umschalter oder Hinweis suchen – etwa „Switch to classic view”
  3. Alte UI aktivieren → AI Services erscheinen wieder in der linken Navigation, inklusive Document Intelligence
  4. Dienst öffnen, das Studio starten, loslegen

Hinweis: Der UI-Umschalter ist zum Zeitpunkt des Schreibens verfügbar – Microsoft kann diese Option jederzeit entfernen. Verlass dich nicht als Dauerlösung darauf.

Wann sinnvoll: Wenn du schnell etwas testen musst und keine Zeit für Umwege hast.

Weg 2: Die Foundry-Hub-Ansicht nutzen – weniger schick, aber vollständig

Statt direkt in ein Projekt zu springen, bleib auf Hub-Ebene.

So geht’s:

  1. ai.azure.com öffnen
  2. Zu deinem Hub navigieren – nicht in ein Projekt abtauchen
  3. Die Navigation auf Hub-Ebene ist breiter – AI Services und Document Intelligence tauchen hier wieder auf
  4. Alternativ: nach „All resources” oder „All services” im linken Menü suchen – je nach aktuellem UI-Stand

Sieht nicht so poliert aus wie die neue Projektansicht – hat aber alles drin. Manchmal zählt „vollständig” mehr als „schick”.

Wann sinnvoll: Wenn du regelmäßig mit mehreren KI-Diensten arbeitest und dich nicht jedes Mal durch drei Menüs graben willst.

Weg 3: Direkt über das Azure-Portal – der verlässliche Weg

Egal, wie Foundry an einem bestimmten Tag aussieht: Azure bleibt Azure.

  1. portal.azure.com öffnen
  2. „Document Intelligence” in die obere Suchleiste tippen
  3. Eine bestehende Ressource auswählen – oder eine neue anlegen
  4. Im Dienst auf „Go to Document Intelligence Studio” klicken → landet dich direkt in der Arbeitsumgebung
  5. Beim Anlegen einer neuen Ressource: Stufe F0 (Free) für die 500 kostenlosen Seiten/Monat wählen

Achtung: F0 ist nur einmal pro Subscription verfügbar. Existiert bereits eine Free-Instanz, musst du auf S0 ausweichen – dann fallen Kosten an.

Wann sinnvoll: Immer. Das ist der robusteste Weg – unabhängig davon, wie oft Microsoft die Foundry-Oberfläche umbaut.

Worauf du achten solltest

  • Free Tier (F0): 500 Seiten/Monat kostenlos – aber nur eine F0-Instanz pro Azure-Subscription
  • Rollen und Berechtigungen: Du brauchst mindestens Contributor-Rechte auf der Subscription oder Ressourcengruppe, um den Dienst anzulegen
  • Regionsverfügbarkeit: Document Intelligence ist nicht in jeder Azure-Region verfügbar – beim Anlegen prüfen
  • Foundry-Integration: Document Intelligence war in Foundry integriert – die neue UI hat diesen direkten Zugang vorübergehend gekappt. Das ist ein bekannter Übergangszustand, kein Feature

Kurzer Praxis-Check

So weißt du, dass es funktioniert:

  • Du kannst das Document Intelligence Studio öffnen und ein Dokument hochladen
  • Der Dienst zeigt dir verfügbare Modelle (z. B. „prebuilt-invoice”, „prebuilt-document”)
  • Die Analyse läuft durch und liefert ein JSON mit extrahierten Feldern zurück

Wenn es nicht läuft – prüf diese 3 Dinge:

  • Ressource nicht gefunden? → Direkt im Azure-Portal suchen, nicht über Foundry navigieren
  • Free Tier nicht verfügbar? → Prüfen, ob schon eine F0-Instanz in der Subscription existiert (portal.azure.com → Document Intelligence → alle Ressourcen)
  • Zugriff verweigert? → Deine Rolle prüfen: Contributor oder Cognitive Services Contributor auf der Ressourcengruppe ist nötig

Zusammengefasst

Die neue Foundry-UI ist ein Schritt in die richtige Richtung – keine Frage. Aber genau das passiert bei Übergängen: Dienste, die vorher einen Klick entfernt waren, verschwinden hinter neuen Navigationsstrukturen. Nicht absichtlich, nicht böswillig – aber nervig, wenn du es eilig hast.

Meine klare Empfehlung: Lern den direkten Weg über das Azure-Portal. Er funktioniert jedes Mal, egal wie oft Microsoft Foundry neu gestaltet. Die Integration kommt hoffentlich zurück – und dann ist sie ein toller Shortcut. Aber als einziger Weg? Zu fragil.

Und die 500 kostenlosen Seiten? Die gibt es wirklich. Nutz sie für deinen PoC, bevor du dir über Kosten Gedanken machst.

Espresso-Moment: Das Werkzeug ist nicht weg – Microsoft hat nur die Küche umgebaut, während du am Kochen warst.

Schnell-Checkliste: Modellauswahl in Microsoft Foundry

  • Anwendungsfall klar definiert, bevor du den Katalog öffnest
  • Mit Mini-Modellen starten (z. B. GPT-4o mini, Phi-3.5-mini)
  • Modellbeschreibung und Benchmarks im Katalog geprüft
  • Spezialisierungen notiert (Sora ≠ Textmodell, Deepseek = analytisch/technisch)
  • Token-Kosten vor dem Deployment verglichen
  • Ort der Datenverarbeitung geprüft (Azure-Region vs. Drittland)
  • Anthropic-Modelle: aktuell Verarbeitung in den USA – Compliance-Prüfung Pflicht
  • Modell testweise im Foundry-Projekt deployt, evaluiert, bei Bedarf wieder entfernt

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Ferdi Lethen-Oellers
Ferdi Lethen-Oellers

Senior Modern Workplace Consultant bei der amexus, Microsoft MVP, Autor von „Microsoft 365 Administration für Dummies“.